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Montag, 01. März 2010 um 00:00

Neue Stadtmitte: Für wen?

Die ursprüngliche Planung zur Neuen Stadtmitte ist rund zehn Jahre alt. Inzwischen wurden wichtige Eckpunkte der damaligen Planung wie Rathaus mit Bürgerbüro,  zentrales Feuerwehrhaus, Polizeistation und Veranstaltungssaal für ca. 500 Besucher (im Rösselsbrünnle) bereits an anderer Stelle verwirklicht. Daher ist es durchaus legitim, das gesamte Projekt nochmals auf den Prüfstand zu stellen und zu fragen: Brauchen wir in Rheinstetten eine Neue Stadtmitte, und wenn ja, wie soaltll sie aussehen?

Um diese Frage fundiert und objektiv beantworten zu können, bedarf es unserer Ansicht nach zunächst einer umfassenden Bedarfsanalyse durch eine repräsentative Bürgerbefragung. Denn eines ist klar: Eine Stadtmitte, die von der Bevölkerung nicht angenommen und genutzt wird, ist eine tote Betonwüste - und bedeutet eine gewaltige Verschwendung von Geld und Ressourc en. Das vorgesehene Gelände ist ein ökologisch wertvolles Gebiet, in dem zahlreiche Wildtiere leben. Daher sollte es nur für ein wirklich lohnendes Projekt geopfert werden, für eine Stadtmitte, die für die Menschen in Rheinstetten attraktiv ist und tatsächlich ein Zentrum des öffentlichen Lebens in unserer Stadt wird.

Genau dies kann unseres Erachtens die Planung, die letzte Woche im Gemeinderat vorgestellt wurde, nicht leisten. Sie sieht überwiegend Wohn- und Gewerbebebauung in Form von drei- bis fünfgeschossigen Gebäuden, einen schmalen Grünstreifen und einen Marktplatz zwischen 12 Meter hohen Fassaden und einer stark befahrenen Straße vor. Eine solche Bebauung lädt nicht gerade zum Treffen und Verweilen ein. Ein Einkaufsmarkt der geplanten Größe (4500 m² Verkaufsfläche) würde viel Kfz-Verkehr anziehen; ob er an dieser Stelle tatsächlich gebraucht wird, ist unklar. Das Problem der Verkehrsführung ist ungelöst, und dass der Gemeinderat tatsächlich schon wieder einen neuen Sitzungssaal braucht, nachdem der alte gerade mit viel Aufwand modernisiert wurde, bezweifeln wir stark.

Dass der Gemeinderat diese Planung nicht einfach abgesegnet hat, sondern sich zunächst zu intensiver Beratung zurückziehen will, begrüßen wir daher ausdrücklich - ebenso die Tatsache, dass ein Vertreter des Agenda-Arbeitskreises Stadtentwicklung während der Sitzung gehört wurde. Zwar gab es darauf auch empörte Reaktionen wie die eines bekannten Rheinstettener Vermessungsingenieurs, der sich in seiner Erwartung, er habe einen Gemeinderat, der seine Interessen vertrete, enttäuscht sah. Wir hoffen aber, dass sich der Gemeinderat trotzdem nicht davon abhalten lässt, bei seinen Entscheidungen das Wohl aller Rheinstettener Bürgerinnnen und Bürger  anzustreben. Eine Stadtmitte, die nur denen nützt, die daran verdienen, wäre jedenfalls ein großer, folgenreicher Fehler.